Tartuffe oder Das Schwein der Weisen

22. Juni 2024 | 20:30 Uhr | Schlossinnenhof | Schwerin
Komödie frei nach Molière von PeterLicht

„Ich finde, wir sollten die Chance nutzen … auch wenn das dann eine andere Welt ist, als die, die wir kennen.“

Er ist zunächst gar nicht da, hat aber trotzdem alle im Griff: Tüffi, der boshafte und umtriebige Tartuffe des 21. Jahrhunderts. Von Beruf Lebensberater. Ein Betrügerverführer, gekommen, die Familie Pernelle erst zum Kern ihrer Unwahrheit zu führen und dann von Grund auf zu ruinieren. Das tut weh und geht so: Der Sohn des Hauses findet den charismatischen Unbekannten toll und sorgt dafür, dass er bleibt. Der Vater ist einverstanden und legt die Tochter als Gastgeschenk obendrauf. Die Mutter traut dem Braten nicht, isst ihn aber gern. Kollektiv stürzen alle in einen großen Redereigen, in dem Heuchelei, Doppelmoral, Konsumsucht, Selbstbetrug und Selbstoptimierung erst bis ins Detail zerlegt und dann wieder zusammengebaut werden.

PeterLichts Überschreibung des klassischen Molière-Stoffs ist eine rasant erzählte schwarze Komödie über Schweinemenschen und Menschenschweine, über Verkaufsstrategien und falsche Versprechen, über ein System der Blender und Verblendung, gut geschützt durch patriarchale Machtstrukturen und die Unvollkommenheit des Menschen. Mit turbulenten Textkaskaden voller irrwitziger Widersprüche demontiert Autor, Musiker und Gesamtkünstler PeterLicht uns alle – und demonstriert aufs Feinste, wie entlarvend und komisch zugleich beißende bürgerliche Selbstkritik sein kann. Anders als Molière nimmt er nicht eine bestimmte gesellschaftliche Gruppe aufs Korn, sondern gleich unseren ganzen modernen Zeitgeist. Peter Kastenmüller, bis 2019 Intendant des Theater Neumarkt in Zürich, inszeniert den bösen Spaß mit Opulenz, Musik und einem starken Spielensemble im sommerlichen Ambiente des wunderschönen Schlossinnenhofs und gibt damit nach erfolgreichen Inszenierungen am Staatstheater Kassel, an Schauspielhäusern in Hannover, Frankfurt und Düsseldorf, am Maxim-Gorki-Theater Berlin, Staatstheater Stuttgart, Residenztheater München und an den Münchner Kammerspielen sein Regiedebüt in Schwerin.

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